Des Profis Neid auf den Hobbysportler

Egal ob Rennrad, Triathlon oder Mountainbike: In unseren Bikefittings werden wir immer wieder nach unseren Erfahrungen mit den Profis gefragt. Dabei blicken viele Profis manchmal durchaus neidvoll auf die Hobbysportler. Denn speziell bei der Wahl der Ausstattung sind diese deutlich freier – mit großen Vorteilen für die Ergonomie.

 

Fahrradkomponenten im gebioMized concept-lab

„Radprofi müsste man sein!“

Welcher Radsportler hatte nicht schon diesen Wunsch im Kopf? Garniert mit Bildern vom erfolgreichen Zielsprint, vom Jubel auf dem Podium, von Reisen rund um die Welt, von der professionellen Betreuung durch Trainer, Ernährungsberater, Bikefitter und mehr. Und überhaupt: Fürs Radfahren bezahlt werden. Eine traumhafte Vorstellung! Oder?

Auch wir werden immer wieder auf unsere Arbeit mit Stars wie den Profis vom Team Ineos Grenadiers oder Weltklasse-Triathletinnen wir Anne Haug oder Daniela Bleymehl angesprochen. Typische Fragen dabei lauten etwa so:

  • Wieviel Watt erreicht ein Profi-Sprinter maximal?
  • Wie sehen meine Kraftkurven im Vergleich zu einem Egan Bernal aus?
  • Welche Überhöhung fährt ein Triathlon-Profi in der Langdistanz?
  • Hat ein Profi immer die optimale Druckverteilung auf dem Sattel?

Bei der Kurbel ist für den Bikefitter vor allem die Länge der Kurbelarme von Bedeutung.

Die Einlage im Radschuh hat erheblichen Einfluss auf Komfort und Kraftübertragung.

Der Sponsor entscheidet

Doch wir möchten hier mal eine ganz andere Frage stellen, die eher in die entgegengesetzte Richtung geht: Nämlich die, ob Berufsradfahrer nicht vielleicht manchmal selbst mit ein wenig Neid auf die Hobbysportler schauen? Schließlich ist das Leben des Radprofis oft gar nicht so glamourös, wie viele denken. Schließlich müssen Profis enorme Trainingsumfänge abreißen, und zwar egal ob bei Sonne oder Regen. Sie führen ein in aller Regel ziemlich asketisches Leben. Sie sind ständig unterwegs. Vor allem aber können sie eins nicht, was Hobbysportler können: Sich ihre Ausrüstung bis ins kleinste Detail frei Zusammenstellen.

Der einfache Grund: Ein Radprofi ist im Prinzip auch nur ein Angestellter bei einem Arbeitgeber, also seinem Team. Dieses Team wiederum ist an Sponsorenverträge gebunden, die viele Punkte bis ins Detail festlegen. So entscheidet häufig etwa der Fahrradhersteller, welchen Rahmen die Profis zu fahren haben. In manchen Fällen wird gar die Rahmengröße vorgegeben, was machen Sportler und auch Bikefitter vor große Probleme stellen kann. Andere Partner und Sponsoren bestimmen, welche Schaltgruppen, Laufräder oder Reifen sie im Einsatz sehen wollen.

Als Bikefitter interessieren wir uns dabei natürlich vor allem an die Komponenten an den drei Kontaktstellen zwischen Mensch und Maschine. Denn sie sind letztlich entscheidend für die Ergonomie des Fahrrads. Konkret geht es dabei um:

Das Cockpit

Rennrad-Vorbau im gebioMized concept-lab

Lenkerform, Vorbau, Bremshebel, …

Der Sattel

Sattel im gebioMized concept-lab

Sattelmodell, Sattelstütze, …

Die Kraftübertragung

Radschuh im gebioMIzed concept-lab

Pedalmodell, Radschuh, Einlagesohle, …

Jeder Kompromiss geht auf Kosten der Leistung

Und auch diese für die Ergonomie so entscheidenden Bauteile werden häufig durch die Sponsoren vorgegeben. Teilweise können die Profis dabei trotz ihrer spezifischen Bedürfnisse nichtmal auf das komplette Sortiment des Herstellers zurückgreifen. Zwar können Radprofis die Nachteile von nicht perfekt passenden Komponenten durch ihre auf vielen Tausend Trainingskilometern und ein idealerweise gutes Stabilitätstraining teilweise ausgleichen. Trotzdem kann jeder Kompromiss beim Material einen direkten Leistungsverlust bedeuten.

Ganz anders sieht es bei Hobbysportlern aus. Zwar können sie meist schon aufgrund der nicht entsprechend trainierten Muskulatur keine so extreme Sitzposition halten, wie ein Radprofi. Aber dafür haben sie den einen großen Vorteil: Sie können die besten Komponenten auswählen. Wobei es sich bei den besten gar nicht unbedingt auch um die teuersten Teile handeln muss. Vielmehr geht es um die optimal zu dem Menschen und seinen körperlichen Voraussetzungen passenden Teilen. Zum Beispiel mit dem besser zur individuellen Kniestellung passenden Pedalsystem. Oder mit den perfekt zu den Beckenknochen passenden Sattelmodell. Vielleicht bringt auch der andere Schuh mit dem etwas breiteren Leisten doch noch etwas mehr Komfort. Alles ist möglich. Und das eröffnet dem Sportler und seinem Bikefitter viele Möglichkeiten, um Beschwerden zu eliminieren und Leistungsvorteile zu erschließen. Denn bei der professionellen Analyse erkennt der Bikefitter, welche Komponenten für den Kunden individuell am besten geeignet sind.

Diese freie Hand bei der Wahl der Komponenten ist ein wahrer Luxus des Hobbyradsportlers, um den er von vielen Profis beneidet wird.

Und das wissen wir aus erster Hand…!